"Wegweiser durch das Haus der Demokratie 2016/17"

(Vorwort der 12. überarbeiteten Auflage)

Haus der Demokratie, Eingang

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir im Haus der Demokratie versuchen, uns an demokratische Spielregeln zu halten, die ebenso für die gesamte Gesellschaft gelten. Wir respektieren anderes Denken, nur eben Denken sollte es sein. Doch was ist los in unserem Land, ja in ganz Europa? Die große und die kleine Welt ist kompliziert geworden. Das ist die Zeit der einfachen Erklärungen und Lösungen vom linken und besonders vom rechten Rand. Sicher, der Staat hat seine Bürger vor Gefahren jeglicher Art zu schützen. Doch Terrorabwehr verlangt nicht nur kurzfristiges, schnelles Handeln, sondern Weitsichtigkeit mit Visionen – hier irrte Helmut Schmidt mit seiner Aussage, dass derjenige zum Arzt gehen solle, der Visionen habe. Die Politik hat in den vergangenen Jahren oft keine dauerhaften Antworten gefunden. Die Gefährlichkeit der Atomkraft, der nicht mehr wegzudiskutierende Klimawandel, kriegerische Auseinandersetzungen in Nahost und Afrika blieben ohne Konsequenzen durch die „zivilisierte“ Welt. Besonders die Menschen in den ärmeren Regionen wurden ihrem Schicksal überlassen, ja, unsere Wirtschaft verdiente noch daran (Waffenlieferungen, billige Lebensmittel, Kleidung). Wir haben versäumt, dabei zu helfen, die Probleme vor Ort zu lösen. Dafür hatten wir viele Jahre Zeit. Nach dem Fall des eisernen Vorhanges bestand die einmalige Gelegenheit, die Weltgeschichte sozial gerechter zu gestalten. Wir sind nicht zu ihnen gegangen (um zu helfen), jetzt kommen sie zu uns, um ihr Überleben in Würde zu sichern.

Zunehmend sieht sich Deutschland als der Fels in der Brandung. Fast alle europäischen Staaten beteiligen sich nicht an der Aufnahme von Millionen Hilfe Suchender. Europa driftet auseinander. Statt gemeinsam Wege zu suchen, die uns als große Gemeinschaft stärken, versuchen die meisten Staaten Europas, ihr eigenes Süppchen zu kochen – das genaue Gegenteil wäre wichtig als Vorbildwirkung und im Wettbewerb der Wirtschaftsblöcke als Gegengewicht zu den Mächten USA, China, dem aufstrebenden Indien und Russland. Im Übrigen hätte der IS damit ein Ziel erreicht: die Schwächung Europas. Vor den zersplitterten und zerstrittenen Nationalstaaten müsste keiner „Angst“ haben.

Von Deutschland verlangt das „Heer“ der Flüchtlinge eine unvergleichlich größere Anstrengung zur Integration. Wir haben keine andere Wahl als zur Annahme dieser Herausforderung. Es ist, das betonen die Fachleute, aber auch eine gewaltige Chance für unsere Gesellschaft, um die bestehenden Sozialsysteme in der Zukunft leistungsfähig zu halten.

Deutschland wird bunter, besser bunt als braun.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen langen Atem.

Seien Sie herzlich gegrüßt mit einem Zitat von J.G. Seume (1763 – 1810):
„Der Wahrheit folgen und sie pflegen, die Gerechtigkeit schützen, für alle in gleicher Weise das Gute wollen und tun, nichts fürchten.“

Rolf Schumann
Geschäftsführer

Leipzig, im Dezember 2015


Unseren aktuellen Wegweiser finden Sie sowohl im Haus der Demokratie als auch in Bürgerämtern, Bibliotheken der Stadt Leipzig und vielen anderen öffentlichen Einrichtungen